Die Giganten gestalten das Internet ohne die Nutzer - Jan van Dijk auf der x-mess

Es wird immer deutlicher, wie sich das Netz in eine Schieflage hinein entwickelt, wenn die Gegenbewegung ausbleibt. Der niederländische Soziologe Jan van Dijk, Universität Twente, hat die Entwicklung im November 2011 auf der x-mess in Berlin in aufrüttelnden Thesen auf den Punkt gebracht: 

Das Internet wird nicht von den Nutzern gestaltet, sondern von den mächtigen Intermediären wie Facebook, Google, Microsoft und Apple. Doch wer kontrolliert diese Giganten? 

Das Internet führt nicht zu mehr Demokratie und Gerechtigkeit. Vielmehr verstärkt die global vernetzte Gesellschaft die Ungleichheit auf allen Ebenen – zwischen Staaten ebenso wie zwischen Organisationen und Individuen. Immer weniger Firmen/Menschen werden immer größer/mächtiger (die »Knoten« im Netzwerk), während gleichzeitig immer mehr Firmen/Menschen immer unbe- deutender werden (der »Long Tail«). Die Mitte verschwindet – und damit der Kitt zwischen den beiden Polen.

Mehr dazu im Konferenzbericht der zfo

Personalarbeit nach der Apple-Logik - Christian Scholz in seinem Blog bei der FAZ-Community

Wenn man sich mit dem Hunger nach Veränderungen der Personalarbeit befasst, stößt man zwangsläufig auf die Personalabteilung. Hier lässt sich auf jeden Fall ein gewisser Hunger lokalisieren, und zwar nach Titeln und Bezeichnungen. Nicht ohne Grund war die Einführung von so genannten „Business Partnern“ absoluter Renner von an der Grenze der Seriosität arbeitenden Unternehmensberatern: Ohne dass meist auch nur die kleinste inhaltliche Kleinigkeit geändert wurde, führte man phantasievolle Titel ein, deren Kreativität allenfalls noch durch „Senior Executive Strategic Managing Business Partner“ übertreffbar gewesen wären.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich ist die eigentliche Grundlogik des hinter dem Business Partner-Konzept von Dave Ulrich eine sinnvolle Idee: Nur verlangt es Akteure, die sich nicht mit irgendwelchen Status-Placebos abspeisen lassen, sondern die wirklichen Hunger auf Veränderungen haben. Selbstredend muss es daher neben der Kompetenz als Befähigung („Können“) und der Kompetenz als Befugnis („ Dürfen“) auch ein Wollen geben, also eine Bereitschaft, sich auf Andersartigkeit und die wunderbar vielfältigen Chancen der Arbeitswelt einzustellen.

Christian Scholz zieht in seinem Blog eine Parallele zwischen den Prinzipien, die Apple zum Erfolg verholfen haben, und der Personalarbeit. Also "anders denken", Perfektion, Einfachheit, Denken für die Kunden, "hungrig bleiben". Das ist dann wohl eine Personalarbeit, die die spezifischen unternehmerischen Prinzipien auf sich selbst anwendet. Diese können freilich auch ganz andere sein.

Das Henne-Ei-Problem nachhaltiger Stadtentwicklung - Dieter Spath bei SWR2 Aula

Man steigt morgens in sein Elektromobil, das man sich mit anderen teilt, und fährt zur Arbeit, währenddessen kann mit man seinem Smartphone noch Lebensmittel bestellen oder ausfindig machen, wo gerade der Sohn herumspaziert. Dann arbeitet man in einem fast vollständig digitalisierten Büro, das sich in einem absolut ökologisch effizienten Gebäude befindet.

So ungefähr stellt sich Dieter Spath vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (FhG IAO) den Alltag in der Stadt der Zukunft vor. In einem Beitrag der SWR2 Aula vom 1.1.2012 schildert er, was derzeit getan wird, um die vielen Fragen auf dem Weg dorthin zu klären. Besonders das Henne-Ei-Problem hemme oft die weichenstellenden Investitionen. Jeder warte auf den anderen.  

Die Stadtoberen investieren nicht, weil sie nicht wissen, ob ihre Projekte auch genutzt werden, Industrieunternehmen entwickeln nicht, weil sie nicht wissen, ob der Markt für ihre Produkte kommen wird, die Infrastruktur wird nicht gebaut, weil man nicht weiß, ob sich die Industrie entwickelt und so geht dieses Spiel im Kreis herum. 

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Die Wurzel dieses Übels liegt darin, dass wir es mit extrem unterschiedlich langen Lebenszyklen dieser einzelnen Elemente zu tun haben. Stadtstrukturen sind zum Teil über 100 Jahre alt. Wir können sie zurückverfolgen auf alten Fotos, sie haben schon zu Zeiten existiert, als unsere Großväter noch nicht gelebt haben. Während die Dinge, über die wir jetzt diskutieren: mobiles Internet, Mobilitätsdienstleistungen, Ladeinfrastrukturen, Elektromobilität und Ähnliches, kurzzyklische Dinge sind mit Produktlebenszyklen von wenigen Monaten bis wenigen Jahren.  

Wenn man Spath folgt, wird der Durchbruch nur gelingen, wenn Planung und Design neuer städtischer Umgebungen gemeinsam mit den Menschen vorangetrieben wird. Die Informationstechnik macht es möglich, bei der Bürgerkommunikation verstärkt mit Visualisierungen zu arbeiten. 

Der Beitrag steht bei SWR2 zum Nachhören oder zum Nachlesen bereit. 

«Spannend wird es, wenn wir die Fernbedienung loswerden» - Interview mit Robert Amlung, ZDF - tagesanzeiger.ch

Apps werden auch auf dem Fernseher ihren Platz finden. So richtig spannend wird es aber erst, wenn wir die herkömmliche Fernbedienung mit ihren Beschränkungen loswerden. Und das wird dann geschehen, wenn wir den Fernseher mit einer App auf unserem Smartphone oder Tablet bedienen können. Die ersten Geräte gibt es schon, die dieses Bedienkonzept umsetzen. Hier ist aber noch viel Arbeit nötig, bis das mit jedem Fernseher funktioniert.

Apple TV werde nur eine Chance haben, so Amlung in dem Interview, wenn es Apple gelinge, die großen TV-Anbieter ins Boot zu holen.

Auf das Interview bin ich aufmerksam geworden. Artikel bin ich gestoßen bei http://www.olivervonarx.ch/robert-amlung-wie-sieht-der-tvkonsument-von-morgen...

Jedes größere Unternehmen wird zum Sender - Interview mit Gerd Leonhard - ConventionCamp 2011 #cch11

"Wir werden in fünf Jahren nur noch auf mobilen Geräten im Netz unterwegs sein", meinte der Zukunftsforscher Gerd Leonhard auf der ConventionCamp 2011. Print werde nur noch zweite Option sein, allein schon aus Kostengründen! Seine eindeutige Empfehlung an die Verlage: News vom Papier lösen.

Netzwerkgesellschaft und Anpassungsträgheit - Peter Wippermann

Die Arbeitswelt zeigt am deutlichsten die Entwicklung hin zur Netzwerkgesellschaft, so der Trendforscher Peter Wippermann im Radiointerview bei SWR1 Leute. Abzulesen an der zunehmenden Verschränkung von Privatzeit und Arbeitszeit, an mehr Eigeninitiative und Verantwortung für den Einzelnen und daran, dass die Menschen mehr an dem gemessen werden, was rauskommt. Und weiter: Die spontane Zusammenkunft, z.B. Smart Mobs, werde als Organisationsform nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch unsere Wirtschaft verändern. In der technologisch getriebenen Netzwerkgesellschaft könne man davon ausgehen, dass jeder zwei Identitäten habe, eine reale und eine aus Daten. Das Internet-Protokoll sehe 650 Billiarden Internet-Adressen pro Quadratmillimeter vor. "Wir müssen in der virtuellen Welt präsent sein, um Zugang zu Arbeitsplätzen, zu Wahlen, zu Gesundheitsleistungen zu haben."

Das Interview zum Nachhören gibt's bei SWR1

Beunruhigend, diese Aussichten. Wippermann weist aber auch darauf, dass erste Gegenbewegungen zu beobachten sind. Auch wenn kein Weg an der Netzwerkgesellschaft vorbei zu führen scheint, so ist auch klar, dass die Menschen gerade erst anfangen, Erfahrungen mit allgegenwärtigen Netz zu sammeln und es als Lebenswelt zu gestalten. Die Netztechnologie entwickelt sich eben schneller als die "anpassungsträge" Gesellschaft.

Chaos und Ordnung - zur Aktualität der Selbstorganisation - Zum 100 Geburtstag von Heinz von Foerster | Forschung und Gesellschaft | Deutschlandradio Kultur

Was haben ein Ameisenstaat, das Finanzsystem oder gar die Evolution gemeinsam? Sie alle können als Selbstorganisationsphänomene betrachtet werden. Die Theorie der Selbstorganisation erfährt gerade heute in verschiedenen sozial- und medienwissenschaftlichen Disziplinen eine Art Comeback.

Deutschlandradio ehrt Heinz von Förster, der in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, mit einem Beitrag hörenswerten Beitrag über die Selbstorganisation.

9. November: Tag der Revolutionen?

Hanns-Martin Wietek erinnert an die geschichtsträchtigen Ereignisse, die an einem 9. November stattgefunden haben, und schließt mit der Frage: "Vielleicht sollte man den Tag zum „Tag der Revolutionen“ erklären? Oder ….. selbst eine machen? Diktatoren, die ihr oder ein anderes Volk knechten, sind sehr viel seltener geworden. Heute treiben Diktatoren die ganze Weltgemeinschaft vor sich her. Wie wäre es mit einer Revolution gegen die neuen, die leisen Diktatoren? Aber halt! Dafür müssten wir erst einmal uns selbst revolutionieren – unser Denken, unser Handeln und unser Fühlen. … Doch … wie mir scheint … das wird nicht funktionieren, denn ….. Lemminge machen keine Revolution." Mehr unter http://blog.zvab.com/2011/11/09/9-november-ein-schicksalstrachtiger-tag-nicht...