changeX: Offline war einmal. Ein Trendrundgang durchs reale digitale Leben

Es könnte das Jahr des Internets werden.
Das Jahr, in dem die Politik das Internet ernsthaft auf die Agenda zu setzen beginnt. In dem sie – endlich – nach einem Konzept, einer Richtschnur zu suchen beginnt, wie sie mit den Fragen umgehen will, die sich in einer Netzgesellschaft immer drängender stellen. Wie viel Sicherheit, Privatsphäre, Informantenschutz, Sozialkontrolle wollen wir? Welche Rolle spielt der Staat in einer vernetzten Gesellschaft? Welche Güter soll er schützen und wie?
Das Jahr, in dem die Bürger sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen beginnen, was es für unser aller Leben, unsere Werte, unser Miteinander, unsere Erwartungen heißt, wenn sich eine digitale Welt immer dichter und unentwirrbar mit unserem Leben auf den Straßen, in Häusern, Unternehmen und Parks verschraubt. In dem sie sich nicht länger begnügen mit Grabenkämpfen – hier die netzaffinen Multiuser, die sich vom Gerede über Sicherheitsbedenken, von Exhibitionismusschelte und Big-Brother-Visionen nicht den Spaß an dem herrlich leichten, verspielten, praktischen Medium verleiden lassen wollen; dort die skeptischen Internetmuffel, die hochsensibel die Gefahren von Google, Facebook & Co. beschwören; dazwischen jene, für deren Lebenswelt das Internet eine ähnlich bedeutende Rolle spielt wie der Sushi-Verkauf in Japan.

Wie das Leben in der digitalen Welt aussieht, scheint uns allen erst langsam zu dämmern. Es mehren sich nach meinem Eindruck die Stimmen, die eine Gesamtschau der Entwicklungen versuchen. Erst so können wir uns die weitreichenden Konsequenzen für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft vor Augen führen. Erst so wird deutlich, welche ungeahnten Möglichkeiten und welche ungeahnten Gefahren sich hinter einem technokratischen Jargon a la Web 3.0, Semantic Web oder Augmented Reality verbergen.

Eines scheint mir sicher. Die 10er Jahre werden das Jahrzehnt des Internets sein.

Vom "Frontalunterricht" zum "offenen Seminar": Journalismus 2.0 - netzwertig.com

Das emanzipierte Publikum kann sich nicht nur seine Quellen fast beliebig zusammensuchen – zu unserem Schrecken hat es begonnen, selber zu publizieren.

Und während immer grössere Kreise der Gesellschaft unsere Artikel und Sendungen kommentieren, kritisieren oder korrigieren, halten ausgerechnet wir Journalisten uns aus dem Diskurs fast vollständig heraus – in der Meinung, durch Abstand unsere “Glaubwürdigkeit” erhalten zu können.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Distanziertheit des Publikum und sein Schweigen hatte noch nie irgendwas mit Respekt vor uns als “Vierter Gewalt” zu tun, sondern nur mit dem Fehlen eines Rückkanals, der diesen Namen verdient.

Der ist jetzt verfügbar, und der Journalismus wandelt sich, wie Medienwissenschafter und Blogger Dan Gillmor sagt, vom Frontalunterricht zum offenen Seminar. Oder sollte sich wandeln – denn Bedingung ist, dass wir vom hohen Ross der Dozenten auf die angemessenere Rolle der Moderatoren umsatteln. Im Publikum haben sich schon immer mehr Experten zu einem Thema befunden, als das Rolodex eines Journalisten zu fassen vermochte. Eine öffentliche Diskussion mit ihnen zu führen, müsste das Ziel journalistischer Arbeit sein.
Ein erster Schritt wäre eine “Diskussionsspalte” zu jeder Online-Sendung und jedem Artikel – und eben nicht die “Kommentar-Rubrik”, in der man das Publikum unbeachtet seine Meinung absondern lässt. Das Forum muss gefördert, nicht erduldet werden.

Selbstkritische Stimmen von Schweizer Journalisten. Noch scheinen mir nur wenige Journalisten bereit, ihr Rollenverständnis an die Spielregeln der neuen Medienwelt anzupassen. Hier werden aber schon mal zukunftsweisende Fragen gestellt! Die Kernfrage: Sind die Journalisten bereit, die Rolle des Moderators im medialen Diskurs zu übernehmen?

 

 

Das Freeconomy-Manifest

GDI-Impuls widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe der Gratis-Mentalität im Netz. Darin findet sich ein Manifest mit 19 bemerkenswerten Thesen. Hier eine Auswahl: 

05. Qualität bleibt die wichtigste Qualität. Wir legen grossen Wert auf die Qualität unserer Arbeit.

06. Das «Frei» in Freibier ist nicht das Gleiche wie das «Frei» in Freiheit.

07. Du sollst nicht stehlen.

08. Ihr wollt, dass wir euch Geld geben? Dann gebt uns eure Aufmerksamkeit.

09. Alle festen, ein gerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verknöchern können.

10. Tradition ist kein Geschäftsmodell.Und Geschäfte, die im Wesentlichen auf dem Unwissen der Kunden beruhen, sind keine mehr.

Das Manifest in voller Länge gibt es hier.  

 

lab | Neue Medien, multimediale Projekte, Anwendungen und Darstellungsformen im Netz

Steffen Leidel von dw-world zeichnet die ersten Stunden nach dem Erdbeben in Chile nach, wie der Informationsfluss im Internet anschwillt. Er wertet dies als Beispiel für die These von David Gelernter, der überzeugt ist, dass sich im Web die Struktur des Lifestream durchsetzen wird. Im Netz zähle nicht allein die Information, sondern auch ihre Geschwindigkeit und ihr Durchsatz. "Twitter ist ein tosender, imposanter Wasserfall - die Niagarafälle des Netzes", so Gelernter.

Gerade bei “Breaking News” werden Informationen im Netz zu einem tosenden Wasserfall. Das konnte man am Wochenende wieder nach dem Erdbeben in Chile beobachten, als sich vor allem der (spanisch-sprachige) Twitter-Lifestream in einen reißenden Informationsstrom verwandelte. Auch wenn ein solcher Social-Media-Lifestream chaotisch wirkt, unterliegt ihm doch eine Struktur, die sich bei jedem großen Nachrichtenereignis wiederholt.

Wie sich dieser Strom in den ersten Stunden nach dem Erdbeben in Chile entwickelt hat, habe ich versucht, in dieser Präsentation nachzuzeichnen.

Ein spannender Einblick in den nur scheinbar chaotische Informationsfluss nach "breaking news".

Social Media Report HR 2010 | blogaboutjob.de

Xing und Facebook sind die meistgenutzten Social-Media-Dienste der Personaler. Das zeigt der Social Media Report HR 2010. Für die Studie haben sich 651 Personaler aus dem deutschsprachigen Raum geäußert. Die Autoren ziehen das Fazit, "dass das Thema Social Media in der Personalarbeit angekommen ist."

Tatsächlich spricht sich die Mehrheit der Unternehmen, die von sich sagen dass sie Social Media aktiv für die Personalsuche nutzen, für XING aus. Dort scheinen die meisten Aktivitäten zu passieren. Und das mit großem Abstand. An zweiter Stelle auch hier Facebook. LinkedIn ist bei Deutschlands HR Managern genauso beliebt wie Twitter, während man in Österreich beide Medien eher vernachlässigt.

socialmedia_studie_hr

via http://joachimniemeier.posterous.com/

"Geld allein macht nicht fleißig". SWR2 über neue Erkenntnisse der Motivationsforschung - http://bit.ly/90uRIK-

Wer Eigeninitiative fördern möchte, sollte die Finger von Belohnungssystemen lassen. Das zeigen neuere Studien der Motivationsforschung ...

"Doch das Phänomen ist älter und kulturübergreifend. Und deshalb erzählt der Bochumer Psychologe Rüdiger Hossiep gern diese schöne Geschichte aus Indien während der britischen Kolonialzeit. Als eine Giftschlangenplage ausbrach, reagierte der zuständige Gouverneur - aber nicht so schlau, wie er zunächst wohl dachte:


Er hat daraufhin dann ausgelobt, dass es eine Prämie gibt für den Schwanz einer jeden Giftschlange. Konsequenz war, dass sich die Leute hochökonomisch verhalten haben und haben angefangen, diese Schlangen zu züchten. Das führte dazu, dass die Prämien, die ausgegeben wurden, exzessiv waren und sich die Schlangenplage überhaupt nicht änderte. Daraufhin hat man die Prämienzahlung eingestellt. Konsequenz war, die Leute haben ihre Schlangen freigelassen, so dass die ganze Seuche explodiert ist.


Der „Kobra-Effekt“ ist mittlerweile zum Schlagwort geworden für Belohnungssysteme, die ausarten und ganz und gar nicht zum gewünschten Ziel führen."

Zur Hörfunksendung bei SWR2 Wissen geht es hier 

 

Wie Facebook, MySpace, StudiVZ und Co mit unseren Daten umgehen. SWR2-Gespräch mit Hendrik Speck - http://bit.ly/dt9JgL

Was bedeutet "Freund" bei Facebook? Was bedeutet es, dass amerikanische Unternehmen die Sozialen Netze dominieren, die die europäische Kultur des Datenschutzes überhaupt nicht kennen? Wer im Social Web unterwegs ist, kommt über kurz oder lang nicht umhin, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen und sich zu überlegen, was er von sich Preis gibt und kommerziellen Unternehmen die Gelegenheit gibt, mit den eigenen Daten Umsätze zu machen. 

Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien an der FH Kaiserlautern, über die Geschäftsmodelle der Social-Web-Unternehmen: 

Facebook, Myspace, Studi-VZ und Co.:Wie gehen soziale Netzwerke mit unseren Daten um? Gespräch mit Hendrik Speck. SWR2 Impuls vom 12.02.2010. (7:59 min)