Die Rückkehr des qualitativen Journalismus im Netz - Peter Kruse im Interview mit Cicero

Im Interview mit Cicero interpretiert Peter Kruse die Rolle des Internets bei der Revolution 2.0 in Ägypten und die Auswirkungen des Internets als neuer Form der Berichterstattung auf den Qualitätsjournalismus. Warum wir auf die Rückkehr des Qualitätsjournalismus angewiesen sind ...
Das Netz hat ein Grundsatzproblem. Die Informationen werden aus dem Kontext gelöst. Es ist das gleiche, als ob keine Bücher mehr geschrieben würden, sondern nur noch Zitate. Ein Aphorismus beispielsweise ist ein sehr kontextreicher Kurztext. Der Kontext muss aber erkannt werden, um den Aphorismus zu verstehen. Das Internet löst diese Kontexte radikal auf. Wir haben einen Strom von Echtzeitinformation in permanent neuen Kontexten. Das macht das Verstehen unglaublich schwer.
Die Gefahr der Missdeutung von Information ist unglaublich groß. Außer in bestimmten communities – semantischen Räumen, in denen die Menschen gemeinsam die Information bearbeiten – fällt das musterbildende Verstehen, das Nachvollziehen von Trends oder das Diskutieren von Themen schwer. Wikipedia beispielsweise funktioniert nur deshalb so gut, da man schnell und sicher sagen kann, was richtig und was falsch ist. Stellen Sie sich vor, es gäbe Wikipedia über das Thema Ethik. Es wäre ungleich schwieriger, zu sagen, was richtig und was falsch sei. Das Thema wird diskursabhängig und Diskurs braucht Dauer, also genau das, was dem Internet fehlt.

Führen Frauen anders als Männer? Sattelberger im Interview mit womenandwork.de

Auf unterschiedliche Führungsstile von Frauen und Männern angesprochen, meinte Thomas Sattelberger, Personalvorstand bei der Deutschen Telekom, in einem Interview:
Es gibt eine intensive Diskussion, ob Frauen andere Führungsqualitäten haben oder sich einfach nur anders ausdrücken als Männer. Im Führungsverhalten muss man harte und weiche Entscheidungen treffen. Das trifft auf alle Führungskräfte zu und da kann ein Unternehmen nicht differenzieren. In der Tendenz glaube ich, dass die Führungseigenschaften, die ein Unternehmen erwartet, konsistent für beide Geschlechter gleich sind. Unternehmen haben meiner Meinung nach jedoch die Verpflichtung, innerhalb eines Unternehmens einen kulturellen Kontext zu schaffen, der divers ist, also sowohl verschiedene Führungsstile zulässt, als auch den Rahmen bietet, dass Frauen und Männer, Deutsche wie Nicht-Deutsche, Jüngere wie Ältere gleichermaßen als Führungskraft akzeptiert werden.

Cisco-Studie: 2015 werden zwei Drittel der Daten Videos sein - do-it.online

Weltweit werden 2015 mehr als 5,6 Milliarden Tablet-PCs und Smartphones verwendet. Hinzu kommen 1,5 Milliarden Knoten für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Die Gesamtzahl entspricht dann fast der Weltbevölkerung von geschätzt 7,2 Milliarden Menschen. Bei den Geräten weisen Tablet-PCs das größte Wachstum auf: 2015 wird es 205-mal mehr geben als 2010. Videos werden in vier Jahren für 66 Prozent des gesamten mobilen Datenverkehrs verantwortlich sein. Dies entspricht einer Steigerung um das 35-Fache im Vergleich zu 2010 und damit der höchsten Rate aller mobilen Anwendungen.

Der Cisco VNI Global Mobile Data Forecast basiert auf unabhängigen Vorhersagen von Analysten sowie Messwerten zur mobilen Datenübertragung. Darauf aufbauend hat Cisco eigene Schätzungen für die Akzeptanz von mobilen Anwendungen sowie der Nutzungs- und Datenübertragungsraten getroffen. Darin eingeflossen sind Zahlen für die mobile Breitbandgeschwindigkeit und Geräteleistungen.

Und wie reagiert Google auf diese Entwicklung? Eric Schmidt schon vor einem Jahr: "Deshalb heisst das Prinzip für Google ab jetzt: Mobile first."

Entscheidungsträger wissen zu wenig über Cloud Computing - Handelsblatt

Auf einen Hype folgt der nächste. Die Herausforderungen des Web 2.0 sind gerade mal in Ansätzen verstanden in Deutschlands Unternehmen, da kommt schon der nächste Trend daher, das Cloud Computing. Jürgen Falkner, Sprecher der Cloud Computing Allianz, meinte in einem Interview mit handelsblatt.com: 

Es ist richtig, dass die Umsetzung schneller vorangehen könnte. Das liegt aber weniger am Technologietransfer als am Informationsdefizit bei den Entscheidungsträgern. Die meisten kennen einerseits große Verheißungen und auf der anderen Seite die Unkenrufe. Die Frage, ob sich die Cloud lohnt, kann aber nicht in ein Schwarz-Weiß-Schema gepresst werden. Differenzierte Antworten setzen sich meist etwas schwerfällig durch.

Bei Handelsblatt.com am 31.01.2011 veröffentlicht

Kybernetischer Humanismus - Bernd Schmid Spezial

„Die höhere Vermittlung kann nur noch von der maschinistischen Moderne her geleistet werden. Sie muss sich als die größere menschliche Kraft erklären. Man muss Kybernetiker werden, um Humanist bleiben zu können. Von einer technohumanen Kultur, die mehr als eine erfolgreiche Barbarei sein will, werden vor allem zwei Dinge verlangt: psychologische Bildung und kulturelle Übersetzungsfähigkeit. Die Mathematiker müssen Poeten werden, die Kybernetiker Religionsphilosophen, die Ärzte Komponisten, die Informatiker Schamanen. Aber war Humanität je etwas anderes als die Kunst, Übergänge zu schaffen?“

Mit diesen Worten schließt Peter Sloterdijk eine Vorlesung im Rahmen des Studium Generale 2007 an der Universität Tübingen. Bernd Schmid lässt sich davon in seinem Blog zu Gedanken über die Steuerbarkeit "des Schiffes" in der heutigen Zeit anregen: 

Das Schiff muss gesteuert werden, soweit im Spiel dieser Kräfte Steuerung möglich ist. Und vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wenn Machbarkeits- und Sicherheitsphantasien platzen. Dann können wir dem Diktat der Beherrschbarkeit ein neues aufgeklärtes Weltbild entgegenstellen, das kreative Gestaltung, aufeinander angewiesen sein und sich anheim stellen neu integriert. Da Expertokratien unsere Probleme offensichtlich nicht lösen, müssen und dürfen wir unser Schicksal wieder beherzt in die eigenen Hände nehmen. Regressionen in illusionäre Spielarten animistischer, maschinistischer und personalistischer Traditionen würden uns die Kraft dafür rauben und an der heute möglichen Menschenwürde zehren. Fundamentalismus jeder Couleur gießt nur Öl in ohnehin kaum zu begrenzende Brände. Wir brauchen eine neue Aufklärung und neue Koalitionen und Kooperationen auf allen Ebenen der Gesellschaft, wenn wir eine Chance haben wollen. Ein Zurück gibt es nicht. Vielleicht werden wir auf längere Zeit nicht bestimmen können, wo wir uns wirklich befinden und wie der neue Kurs sein soll. Was wir aber tun können, ist an Bord eine neue Kultur einüben, die das Aushalten von Unsicherheit, den Abschied von überkommenen Traditionen und die gemeinsame Entwicklung neuer Selbstverständnisse und Beziehungen integriert.

Entscheidungsverhalten in Organisationen verstehen - Management als Design

Um das Gespür für neue Spielräume zu wecken und möglichst wach zu halten, hilft es, sich in der Organisation eine einfache Frage zu stellen, so Baecker:

Wir spitzen (…) zu auf die Frage “Was wird nicht entschieden, weil die Zeit dafür fehlt?”

Um das Entscheidungsverhalten in Organisationen zu verstehen, muss demnach nach den nicht getroffenen, aber wünschenswerten Entscheidungen gefragt werden, die die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter beschäftigt, abseits dessen, wozu sie laut ihren Arbeitsverträgen und Qualitätsmanagement-Handbüchern angehalten sind. Es hilft der Organisation nicht weiter, ihre informelle Seite auszublenden. Es geht darum, neue Spielräume zu erobern.

Souveräne Markenführung am Beispiel Dell - Marco Fischer von der Agentur Die Firma

Souverän bedeutet selbstbestimmt und unabhängig – das Gegenteil von Fremdbestimmtheit. Vielleicht wird das Mitmachen nur falsch interpretiert. Es geht nicht um Beliebigkeit oder falsch verstandene Basisdemokratie, sondern um Mut und Überzeugung.
Wer seinen Mitarbeitern, wie jüngst bei Porsche geschehen, den Zugang zu sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter am Arbeitsplatz verweigert und sich damit um die Möglichkeit bringt, authentische Stimmen am Markt zu etablieren, hat etwas nicht verstanden. Wer soziale Kanäle, wie die Deutsche Bahn, offensichtlich zu Werbezwecken bemüht und sich dort dann einem Diskurs über Stuttgart21 entzieht, hat noch weniger begriffen. Das sind jetzt vielleicht zwei große Namen, bei denen es leicht fällt zu kritisieren, aber auch bei den mittelständischen Unternehmen und vielen „Hidden Champions“ im B2B-Segment, herrscht Verwirrung und Unkenntnis über die Entwicklungen im Bereich der strategischen und insbesondere der digitalen Markenführung.

Als gutes Beispiel einer gesamtheitlichen Markenführung kann man Dell heranziehen. Jeder Kanal und jede Plattform fokussiert sich auf einen klaren Nutzen für die Kunden. Die zwei Aspekte Services und Sales stehen bei Dell im Mittelpunkt aller Aktivitäten, die hochgradig miteinander vernetzt sind. Dell hat als virtuelles Geschäftsmodell keine andere Chance als den Dialog mit den Konsumenten zu suchen, um die Kundenzufriedenheit auf einem hohen Niveau halten. In vorbildlicher Weise verfügt Dell auch über einen Think Tank der neue Kommunikationsformen und -kanäle testet und stetig weitere Möglichkeiten für den Austausch mit den Kunden bereitstellt.

Wirtschaftswissenschaften: Blind und geschichtslos | Philip Kovce in der SWR2 Aula

Der amerikanische Großindustrielle Henry Ford sagte mal, der Wohlstand einer Nation begänne schon im Klassenzimmer. Heute kann man ergänzen, dass sich dieser Wohlstand dann auch an der Universität fortsetzt. Und wenn man letzteres auf die Wirtschaftswissenschaften bezieht, dann gerät man in eine eher depressive Stimmung. Denn: Dieses Fach symbolisiert kaum den Wohlstand und schleppt mehrere Defizite mit sich. Es basiert erstens auf einer methodologischen Monokultur, zweitens ist es blind für die eigene Geschichte, drittens fehlt der Bezug zur Praxis.
Philip Kovce, Wirtschaftsstudent an der Universität Witten-Herdecke, beschreibt diese Defizite und zeigt konkrete Auswirkungen.
via swr.de

Kovce plädiert übrigens nicht nur für eine Umorientierung der Wirtschaftswissenschaften, sondern auch der journalistischen Leitmedien. Er zitiert Mintzberg, der vor Jahren schon den Anteil einer "aufgeblasenen Wirtschaftspresse" und eines "fragwürdigen Beratungswesens" an der Misere des ökonomischen Denkens beklagt hat. Die Medien sollen, so Kovce, den Mut aufbringen, souverän zu agieren, statt Lobbyisten nach dem Mund zu reden.

Geht Selbstreflexion auf Kosten der Intuition? | oe1.ORF.at Wissen #denkräume

Welche Kulturtechniken unterstützen uns dabei, uns im Internet zurecht zu finden? Für Dirk Baecker bietet die Intuition eine gute Strategie im Umgang mit den Phänomenen der Unübersichtlichkeit. Und die können wir entwickeln. Im Zustand der schwebenden Aufmerksamkeit, die wir mit Hilfe eines Therapeuten oder Beraters lernen, fällt es leichter, eine Auswahl zu treffen, die mit unseren Erfahrungen und Gefühlen vereinbar ist. Doch für die israelische Soziologin Eva Illouz zeigt sich gerade hier ein Widerspruch, denn die Dynamik der psychologischen Reflexion und der Selbstreflexion bewirkt, dass Menschen gesellschaftliche Regeln immer stärker verinnerlichen. Sie lernen sich immer besser zu kontrollieren. Und das geht auf Kosten der Intuition.

Geht die Selbstreflexion des postmodernen Menschen auf Kosten der Intuition? Das österreichische Radioprogramm Ö1 wirft in einem Beitrag über die Therapiegesellschaft diese Frage auf.

Die Sendung steht im Netz zum Nachhören bereit.

Open Innovation bei der Telekom

Die T-Labs der Deutschen Telekom sind neben Procter & Gamble, Osram und den Schmitz-Werken mit dem Open Innovation Award 2010 ausgezeichnet worden. Alle nutzen den Open-Innovation-Ansatz als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Telekom macht es nach einer Mitteilung des Handelsblatts so:

Die Idee vom vernetzten Leben und Arbeiten prägt den Innovationsprozess bei der Deutschen Telekom. Kurze Innovationszyklen machen es notwendig, neue Produkte in immer kürzeren Zeitabständen hervorzubringen. Daher orientiert sich die Telekom an den Prinzipien der offenen Innovation. Ein bekanntes Beispiel für Open Innovation ist das Projekt Android zur Weiterentwicklung einer offenen Plattform für Mobiltelefone.

Telekom Laboratories (T-Labs) sind das Forschungs- und Entwicklungsinstitut der Telekom. In Berlin und an weiteren Standorten in Darmstadt und im Silicon Valley, USA, entwickeln Wissenschaftler aus aller Welt gemeinsam mit Telekom-Experten neue Dienste und Lösungen. Zur Früherkennung von Kundenwünschen haben die T-Labs das Innovationsforum aufgebaut. Über 900 Berliner Haushalte stehen hier für Produkttests, Befragungen und Hausbesuche zur Verfügung. In sogenannten StreetLabs gehen Forscher auf die Straße, um das Kommunikationsverhalten und die Wünsche der Nutzer zu erforschen.

Erfolgversprechende Geschäftsideen aus den T-Labs, die nicht in Produkte der Telekom überführt werden können, werden als sogenannte Spin-offs aus der Telekom ausgegründet. Um ihre Zahl zu erhöhen, hat die Telekom das „Inkubations-Management“ eingerichtet. Damit werden gute Ideen systematischer und schneller zur Marktreife weiterentwickelt. 

via http://www.handelsblatt.com

Ellen Enkel von der Zeppelin Universität in Friedrichshafen bestätigt den Erfolg dieses Vorgehens:  

„Open Innovation-Projekte sind im Durchschnitt um 50 Prozent erfolgreicher - gemessen am späteren Umsatz - als Produkte aus rein internen Projekten. Der enorme Mehrwert von Open Innovation kann jedoch nur realisiert werden, wenn die richtigen Aktivitäten zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Kooperationspartnern durchgeführt werden“, erläutert Ellen Enkel, Leiterin des „Dr. Manfred Bischoff Institut für Innovationsmanagement der EADS“ an der ZU. Open Innovation ist die gezielte Öffnung von Teilen des Innovationsprozesses, um durch die Integration externer Technologien, Partner und Kunden sowohl mehr Innovation als auch mehr Effizienz in der Produktentwicklung zu erreichen. 

via http://www.zeppelin-university.de