Warnhinweise für fragwürdigen Journalismus

Telepolis berichtet über Tom Scott, der Warnhinweise für fragwürdigen Journalismus entworfen hat. Robert Harm hat sie übersetzt und bietet folgende Liste von 10 journalistischen Kardinalsünden an:

 

1. "Dieser Artikel enthält nicht verifizierte Informationen ohne Quellenangaben aus Wikipedia"

2. "Dieser Artikel beruht auf einem unbestätigten Gerücht"

3. "Um künftige Interviews nicht zu gefährden, wurden wichtige Fragen nicht gestellt"

4. "Dieser Artikel ist eigentlich eine abgeschriebene Pressemitteilung"

5. "Umfrageergebnisse, Statistiken und/oder Analysen in diesem Artikel wurden von einer PR-Firma gesponsert"

6. "Um den Redaktionsschluss einzuhalten, wurde dieser Artikel von einer anderen Quelle abgeschriebenen"

7. "Der Verfasser versteckt die eigene Meinung hinter 'manche Leute behaupten'"

8. "Medizinische Aussagen in diesem Artikel wurden NICHT von peer-reviewten Studien bestätigt"

9. "Kann Spuren von beleidigenden oder diskriminierenden Gedanken enthalten"

10. "Dem Journalisten mangelt es an Fachkenntnis zu diesem Thema"

 

via http://qwwvu.tk

 

Vorbild BBC - the Virtual Revolution

Marcus Schuler berichtete vor einiger Zeit über eine BBC-Serie zur Entwicklung und Bedeutung des Internets. Besonders interessant ist, wie die Kollegen auf der Insel die Logik des Netzes bei dieser Gelegenheit selber konsequent ausloten: 

Was für Marcus Schuler aber der eigentliche springende Punkt an dieser Doku-Reihe ist: "Ein Großteil des Materials der Reihe darf man als Privatperson herunterladen und nutzen. Dabei sind dieDownloads nicht etwa auf das Interview-Rohmaterial beschränkt. Im Gegenteil: Viele Aufnahmen – ein Kollege würde dazu “Beauty Shots” sagen –  Tricksequenzen und eben die Interviews – all dies darf man sich bei der BBC herunterladen, neu zusammenschneiden und auf seine Website stellen. Einzige Bedingungen: Das Material darf nicht kommerziell genutzt werden. Außerdem: Die BBC muss als Quelle genannt werden."

Übrigens ist das Material zu "The Virtual Revolution" mittlerweile im Internet auch außerhalb der BBC-Geoblocking-Zone abrufbar. 

 

World Cup to drive record in Social Media traffic

Soccer fans have never been shy about expressing their opinions, but this year's World Cup in South Africa - which will be the first of the "social media age" according to many - may see record levels of global interactivity. Sites such as Facebook, Twitter and YouTube were in their infancy in 2006, when the last World Cup took place in Germany, but have since exploded in popularity. Social media now connects millions around the world - 50 million tweets are sent daily while Facebook boasts more than 400 million active users - a development that will allow fans separated by distance to celebrate goals or critique referee decisions together online. Social media can bring fans closer together and give fans more opportunity to communicate with each other.

Die sozialen Netzwerke vor neuen Rekorden dankt der Fußball-WM. Bei Twitter & Co. kann sich die Euphorie und die Enttäuschung nach Lust und Laune entladen.

Ausprobiert: Best-of-Nachrichten Newsy.com - ZEIT ONLINE

Eine der ältesten Formen des Medien-Mashups kann man jeden Morgen in öffentlich-rechtlichen Radiosendern wie dem Deutschlandfunk hören: die Presseschau, in der vor allem die Kommentare diverser Zeitungen zu wichtigen Ereignissen zusammengefasst werden.

Die Idee dahinter ist, dass viele Quellen ein abgerundeteres Bild des Tagesgeschehens bieten als eine einzige. Offenbar wünschen sich das auch viele Internetnutzer. Vor ein paar Monaten ist in den USA eine multimediale Presseschau, ein Kanal der Highlights im Netz auf Sendung gegangen: Newsy zeigt Zwei- und Dreiminüter zu allen möglichen aktuellen Themen, vom Absturz der Wall Street bis hin zum belgischen Burka-Verbot. Das Prinzip: Anstatt selbst zu recherchieren, bedienen sich die Macher fleißig bei anderen Sendern und Webseiten. »Multiple sources tell the real story«, sagen sie – viele Quellen erzählen die wahre Geschichte.

Ein anderer Ansatz, zum Leuchtturm im Informationsdschungel des Web 2.0 zu werden: einsammeln und neu zusammenstellen.

"Staatshilfe ist keine Lösung" - SPIEGEL ONLINE im Interview mit Marcus Brauchli von der Washington Post

Brauchli: Der Medienkonsum ändert sich bereits seit Jahren radikal. Viele kennen morgens die Nachrichten schon, sie sind ja auf allen möglichen Kanälen schnell erhältlich. Es reicht deshalb nicht, unsere Zeitung einfach mit den Nachrichten von gestern zu füllen. Wir müssen Kontext liefern: Analyse, Perspektive, Kommentare. Lange investigative Geschichten. Eben Texte, die sonst nirgendwo stehen. Es gibt immer mehr Informationen, die leicht zugänglich sind, aber es wird schwerer, diese einzuordnen. Die Leute suchen etablierte Leuchttürme, an denen sie sich orientieren können.

SPIEGEL: Vor allem junge Leute sagen: Wenn eine Nachricht wirklich wichtig ist, findet sie mich schon. Sie vertrauen darauf, von ihren Facebook-Freunden oder Twitter-Bekannten informiert zu werden.

Brauchli: Wir haben gerade eine neue Facebook-Applikation eingerichtet, bei der Mitglieder ihren Freunden Artikel empfehlen können, die sie mochten. Sie sehen auch, was ihre Freunde gelesen haben. Das hat uns viele neue Leser beschert. Wir haben zahlreiche Blogs, die große Fangemeinden haben. Zudem starteten wir neue Lokalseiten online, auf denen die Leser Infos über ihre Nachbarschaft leichter finden können. Wir experimentieren erfolgreich mit E-Mail-Newslettern. Insgesamt erreichen wir viel mehr Leute als je zuvor, obwohl unsere Druckauflage gefallen ist.

Die etablierten Medien tasten sich langsam vor in das Web 2.0.

Auf dem Weg in den Informationscrash? - Max Otte in der SWR2 Aula

"Wir sind in einer Art informatorischem Überlebenskampf", so Max Otte in der Hörfunksendung bei der SWR2 Aula "Weniger ist mehr - Wie geht man mit der Informationsflut um?" Er sieht drei Ursachen für diesen Weg in die "Desinformationsgesellschaft", die sich in allen Bereichen zeige. Besonders gravierend in der Finanzkrise oder im Gesundheitsbereich bei vermeintlichen Epidemien wie SARS, Schweinegrippe oder Geflügelpest. 

Drei Ursachen sieht er für diese Entwicklung: 

1. Die Interessen der Wirtschaftsakteure

2. Die Schwäche der Medien

3. Die Schwäche des Staates

Die Wirtschaftsakteure bestimmen die Spielregeln für das Wirtschaften heute weitgehend selbst. Der Staat kann seiner Verpflichtung, regulierend einzugreifen, wenn sich Fehlentwicklungen zeigen, kaum noch nachkommen. Die Medien sind durch einen starken Kostendruck geschwächt worden und suchen ihr Heil in einer Boulevardisierung.

Zum Selberhören hier der Link: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=6095606/1bzw660/index.html 

Facebook als Newsportal - http://bit.ly/a80X5z

"Facebook wird Newsportal", so spekuliert die Welt Online heute und bezieht sich dabei auf eine amerikanische Studie, wonach in den USA bereits 3,52 Prozent allen Medien- und News-Sites von Facebook aus geöffnet werden. Es rangiert damit bereits auf Platz 4 der Upstream-Portale für News- und Medienseiten. 

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Die Welt auf BBC - Fluter.de über Medienwelten

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fluter.de Archiv Nr. 81 : "Medienwelten" | Juli & August 2009

Der Kosmos

Die Welt auf BBC.com

Alva Gehrmann | 3.8.2009

Fühle ich mich heute nach einer grüner Website oder sollte der Hintergrund lieber rosa sein? Will ich auf der Startseite nur Sportnachrichten und den Wetterbericht lesen oder möchte ich dort auch politische Nachrichten mit den Wirtschaftsnews sehen? Bei BBC.com können sich die User/innen ihre Internetseite individuell gestalten. Es braucht nur ein paar Klicks und schon sieht die BBC-Seite völlig anders aus.

Das Internetangebot der britischen Rundfunkanstalt ist mit über zwei Millionen Seiten eines der umfangreichsten Angebote im Netz: die Welt auf einer einzelnen Website, so könnte man es zusammenfassen. Die British Broadcasting Corporation hat eine lange Tradition – 1922 wurde der erste Radiosender gegründet, später kamen weitere Radioprogramme, Fernsehsender und das Internet hinzu. Die BBC genießt ein hohes Ansehen. Schon während des Zweiten Weltkrieges hörten viele Deutsche heimlich deren Radioprogramm, hier erfuhren sie, wie es wirklich um ihr Land stand. Die BBC – das stand für die Wahrheit. Bis heute genießen die News und Dokumentationen der britischen Rundfunkanstalt ein hohes Ansehen.

Tipps aus dem Writers Room

Auf dem Internetportal werden alle klassischen Ressorts abgedeckt: Nachrichten (nach Kontinenten sortiert), Sport, Business & Finanzen, Unterhaltung, Musik, Kultur, Wissenschaft und das Wetter. Bei den meisten Ressorts betreiben BBC-Reporter/innen ihre eigenen Blogs. Doch das Angebot von BBC.com geht über die reine Berichterstattung hinaus. So gibt es auch die Rubrik "Religion & Ethik", "Garten" und einen eigenen "Writers Room", wo man Tipps bekommt, wie ein Drehbuch für eine Comedy-Episode oder ein Drama aussehen sollte. "Der BBC Writersroom sucht immer nach frischen, neuen, talentierten Schreibern, die Großbritannien verändern", heißt es dort. Vermutlich sind damit vor allem Landsleute gemeint, aber einsenden kann jeder sein Skript.

Dazu auf fluter.de
Einzelkämpfer
Als Korrespondent in Israel
Kriegsjournalismus
Chroniken des Konflikts

Wer glaubt, sein Englisch sei dafür noch nicht gut genug, kann es bei "Learning English" trainieren. In dieser Rubrik gibt es zum Beispiel Sprachkurse für Journalisten/innen, die politische Begriffe in kleinen Lerneinheiten beigebracht bekommen. Hier erfahren User/innen, was eine "lame duck" ist. Die Antwort: ein Präsident oder Politiker, der keine Macht mehr hat. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush wurde am Ende seiner Amtszeit immer wieder so bezeichnet. Außerdem gibt es Kurse im Business-English, aber auch Schulmaterial für Lehrer/innen mit "funky phrases" zum Thema Kleidung, Partys oder Dating.

Eine weitere Englisch-Übung, die sicher vielen hilfreich ist, sind die Erklärungen zu aktuellen Berichten. Zum Beispiel in einem kurzen Artikel über Michael Jacksons Tod, in dem Begriffe vorkommen, die für Nicht-Native-Speaker zu kompliziert sein könnten. "TV stations here carried live coverage of the helicopter's journey", heißt es darin. Der gefettete Begriff wird dann umschrieben mit "broadcast news and events as they happened". Die Macher dieser BBC-Sprachseite haben auch eine eigene Seite auf YouTube, wo ein junger Mann mit dicker Hornbrille typisch britische Redewendung erklärt.

Will man wie die BBC weltweit erfolgreich sein, müssen die Inhalte aber auch in anderen Sprachen veröffentlicht werden: von Albanisch, Arabisch und Französisch bis hin zu Hindu, Portugiesisch, Somali, Urdu und Vietnamesisch. News gibt es in 32 Sprachen: nur nicht auf Deutsch!

Spätestens in der Rubrik "Sport" merkt man, dass es sich um eine britische Website handelt. Denn hier wird viel über traditionelle Sportarten wie Cricket berichtet, die auch heute noch in den ehemaligen Kolonien des Commonwealth beliebt sind – etwa in Indien. Bei wichtigen Sportereignissen wie dem Tennisturnier von Wimbledon oder dem Finale der U21-Fußball-Europameisterschaft, bei der Deutschland die Briten im Finale mit 4:0 besiegte, informiert ein Live-Text die User/innen. Außerdem gibt es TV-Nachrichtenclips mit "News in einer Minute" und das frei zugängliche Radioprogramm.

3,6 Milliarden Klicks – pro Monat

Besonders stolz wird seit 2007 der BBC iPlayer beworben, mit dem man sich über 250 TV-Serien und Shows ansehen kann. Bis März 2009 sollen rund 360 Millionen Menschen diese Sendungen genutzt haben. Zum Angebot gehört auch die Live-Berichterstattung bei Musikfestivals (mit einer eigens dafür im MTV-Stil gestalteten Seite), wo etwa Clips von The Ting Tings und Blur zu finden sind. Usern außerhalb Großbritanniens bringt der iPlayer jedoch nichts, da das Programm nur im Vereinigten Königreich zu sehen ist. Man sei sich bewusst, dass der Bedarf für eine internationale Version groß ist, heißt es dazu auf der Internetseite.

Eine ungewöhnlich knappe Antwort, denn sonst bleiben auf der BBC-Page kaum Fragen offen, alles wird erklärt oder erzählt. Selbst die eigenen Krisen sind dokumentiert – schließlich ist die Glaubwürdigkeit ihr größtes Kapital. Die Skandale der über 85-jährigen Geschichte sind unter "The BBC under pressure" aufgelistet: 2003 sorgte ein Radiobericht während des Irak-Krieges für den größten Skandal der BBC-Geschichte. Die Verantwortlichen traten zurück und ihr Informant, der Waffenexperte David Kelly, beging Selbstmord. In der Folge entstand der "BBC Trust", ein Aufsichtsgremium. Kritisiert wurde BBC.com, weil sie 2007 als weltweit erste gebührenfinanzierte Rundfunkanstalt Werbung schaltete – jedoch nur auf den internationalen Seiten.

Durchschnittlich 3,6 Milliarden Klicks (page impressions) hatte die BBC-Site nach eigenen Angaben bereits 2008 – und zwar pro Monat. Trotzdem hat das Newshaus bei Facebook gerade mal 831 Freunde. Die Macher/innen werden das sicher verschmerzen können, schließlich klicken täglich mehrere Millionen User/innen ihre Seite an.

Alva Gehrmann ist freie Journalistin in Berlin und schreibt für Zeitungen und Magazine.

Foto: ©photocase.com / Markus_S; ©photocase.com / soulcore

www.bbc.com
Zentrale BBC-Website

www.bbcmotiongallery.com
Filmmaterial mit BBC-Dokumentationen aus über 70 Jahren

www.youtube.com/bbclearningenglish
BBC-Kanal "Learning English" bei YouTube

www.bbc.co.uk/glastonbury
Das Musikfestival mit Website im Stile von MTV

http://wn.com
World News Network – Onlinemagazin mit News der wichtigsten internationalen Medien

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