Die Rückkehr des qualitativen Journalismus im Netz - Peter Kruse im Interview mit Cicero

Im Interview mit Cicero interpretiert Peter Kruse die Rolle des Internets bei der Revolution 2.0 in Ägypten und die Auswirkungen des Internets als neuer Form der Berichterstattung auf den Qualitätsjournalismus. Warum wir auf die Rückkehr des Qualitätsjournalismus angewiesen sind ...
Das Netz hat ein Grundsatzproblem. Die Informationen werden aus dem Kontext gelöst. Es ist das gleiche, als ob keine Bücher mehr geschrieben würden, sondern nur noch Zitate. Ein Aphorismus beispielsweise ist ein sehr kontextreicher Kurztext. Der Kontext muss aber erkannt werden, um den Aphorismus zu verstehen. Das Internet löst diese Kontexte radikal auf. Wir haben einen Strom von Echtzeitinformation in permanent neuen Kontexten. Das macht das Verstehen unglaublich schwer.
Die Gefahr der Missdeutung von Information ist unglaublich groß. Außer in bestimmten communities – semantischen Räumen, in denen die Menschen gemeinsam die Information bearbeiten – fällt das musterbildende Verstehen, das Nachvollziehen von Trends oder das Diskutieren von Themen schwer. Wikipedia beispielsweise funktioniert nur deshalb so gut, da man schnell und sicher sagen kann, was richtig und was falsch ist. Stellen Sie sich vor, es gäbe Wikipedia über das Thema Ethik. Es wäre ungleich schwieriger, zu sagen, was richtig und was falsch sei. Das Thema wird diskursabhängig und Diskurs braucht Dauer, also genau das, was dem Internet fehlt.