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Juli & August 2009
Der Kosmos
Die Welt auf BBC.com
Alva Gehrmann | 3.8.2009
Fühle
ich mich heute nach einer grüner Website oder sollte der
Hintergrund lieber rosa sein? Will ich auf der Startseite nur
Sportnachrichten und den Wetterbericht lesen oder möchte ich
dort auch politische Nachrichten mit den Wirtschaftsnews sehen? Bei BBC.com können sich die User/innen ihre Internetseite individuell
gestalten. Es braucht nur ein paar Klicks und schon sieht die
BBC-Seite völlig anders aus.
Das
Internetangebot der britischen Rundfunkanstalt ist mit über zwei
Millionen Seiten eines der umfangreichsten Angebote im Netz: die Welt
auf einer einzelnen Website, so könnte man es zusammenfassen.
Die British Broadcasting Corporation hat eine lange Tradition –
1922 wurde der erste Radiosender gegründet, später kamen
weitere Radioprogramme, Fernsehsender und das Internet hinzu. Die BBC
genießt ein hohes Ansehen. Schon während des Zweiten
Weltkrieges hörten viele Deutsche heimlich deren Radioprogramm,
hier erfuhren sie, wie es wirklich um ihr Land stand. Die BBC – das
stand für die Wahrheit. Bis
heute genießen die News und Dokumentationen der britischen
Rundfunkanstalt ein hohes Ansehen.
Tipps aus dem Writers Room
Auf
dem Internetportal werden alle klassischen Ressorts abgedeckt:
Nachrichten (nach Kontinenten sortiert), Sport, Business &
Finanzen, Unterhaltung, Musik, Kultur, Wissenschaft und das Wetter.
Bei den meisten Ressorts betreiben BBC-Reporter/innen ihre eigenen
Blogs. Doch das Angebot von BBC.com geht über die reine
Berichterstattung hinaus. So gibt es auch die Rubrik "Religion &
Ethik", "Garten" und einen eigenen "Writers
Room", wo man Tipps bekommt, wie ein Drehbuch für eine
Comedy-Episode oder ein Drama aussehen sollte. "Der BBC
Writersroom sucht immer nach frischen, neuen, talentierten
Schreibern, die Großbritannien verändern", heißt
es dort. Vermutlich sind damit vor allem Landsleute gemeint, aber
einsenden kann jeder sein Skript.
Wer
glaubt, sein Englisch sei dafür noch nicht gut genug, kann es
bei "Learning English" trainieren. In dieser Rubrik gibt es
zum Beispiel Sprachkurse für Journalisten/innen, die politische
Begriffe in kleinen Lerneinheiten beigebracht bekommen. Hier erfahren
User/innen, was eine "lame duck" ist. Die Antwort: ein
Präsident oder Politiker, der keine Macht mehr hat. Der
ehemalige US-Präsident George W. Bush wurde am Ende seiner
Amtszeit immer wieder so bezeichnet. Außerdem gibt es Kurse im
Business-English, aber auch Schulmaterial für Lehrer/innen mit "funky
phrases" zum Thema Kleidung, Partys oder Dating.
Eine
weitere Englisch-Übung, die sicher vielen hilfreich ist, sind
die Erklärungen zu aktuellen Berichten. Zum Beispiel in einem
kurzen Artikel über Michael Jacksons Tod, in dem Begriffe
vorkommen, die für Nicht-Native-Speaker zu kompliziert sein
könnten. "TV
stations here carried live
coverage of the
helicopter's journey", heißt es darin. Der gefettete
Begriff wird dann umschrieben mit "broadcast news and events as
they happened". Die Macher dieser BBC-Sprachseite haben auch eine
eigene Seite auf YouTube, wo ein junger Mann mit dicker Hornbrille
typisch britische Redewendung erklärt.
Will
man wie die BBC weltweit erfolgreich sein, müssen die Inhalte
aber auch in anderen Sprachen veröffentlicht werden: von
Albanisch, Arabisch und Französisch bis hin zu Hindu,
Portugiesisch, Somali, Urdu und Vietnamesisch. News gibt es in 32
Sprachen: nur nicht auf Deutsch!
Spätestens
in der Rubrik "Sport" merkt man, dass es sich um eine
britische Website handelt. Denn hier wird viel über
traditionelle Sportarten wie Cricket berichtet, die auch heute noch
in den ehemaligen Kolonien des Commonwealth beliebt sind – etwa in
Indien. Bei wichtigen Sportereignissen wie dem Tennisturnier von
Wimbledon oder dem Finale der U21-Fußball-Europameisterschaft,
bei der Deutschland die Briten im Finale mit 4:0 besiegte, informiert
ein Live-Text die User/innen. Außerdem gibt es
TV-Nachrichtenclips mit "News in einer Minute" und das frei
zugängliche Radioprogramm.
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3,6 Milliarden Klicks – pro Monat
Besonders
stolz wird seit 2007 der BBC iPlayer beworben, mit dem man sich über
250 TV-Serien und Shows ansehen kann. Bis März 2009 sollen rund
360 Millionen Menschen diese Sendungen genutzt haben. Zum Angebot
gehört auch die Live-Berichterstattung bei Musikfestivals (mit
einer eigens dafür im MTV-Stil gestalteten Seite), wo etwa Clips
von The Ting Tings und Blur zu finden sind.
Usern außerhalb Großbritanniens bringt der iPlayer jedoch
nichts, da das Programm nur im Vereinigten Königreich zu sehen
ist. Man sei sich bewusst, dass der Bedarf für eine
internationale Version groß ist, heißt es dazu auf der
Internetseite.
Eine
ungewöhnlich knappe Antwort, denn sonst bleiben auf der
BBC-Page kaum Fragen offen, alles wird erklärt oder erzählt.
Selbst die eigenen Krisen sind dokumentiert – schließlich ist
die Glaubwürdigkeit ihr größtes Kapital. Die Skandale
der über 85-jährigen Geschichte sind unter "The BBC
under pressure" aufgelistet: 2003 sorgte ein Radiobericht
während des Irak-Krieges für den größten
Skandal der BBC-Geschichte. Die Verantwortlichen traten zurück
und ihr Informant, der Waffenexperte David Kelly, beging Selbstmord.
In der Folge entstand der "BBC Trust", ein
Aufsichtsgremium. Kritisiert wurde BBC.com, weil sie 2007 als
weltweit erste gebührenfinanzierte Rundfunkanstalt Werbung
schaltete – jedoch nur auf den internationalen Seiten.
Durchschnittlich
3,6 Milliarden Klicks (page impressions) hatte die BBC-Site nach
eigenen Angaben bereits 2008 – und zwar pro Monat. Trotzdem hat das
Newshaus bei Facebook gerade mal 831 Freunde. Die Macher/innen werden
das sicher verschmerzen können, schließlich klicken
täglich mehrere Millionen User/innen ihre Seite an.
Alva Gehrmann ist freie Journalistin in Berlin und schreibt für Zeitungen und Magazine.
Foto: ©photocase.com / Markus_S; ©photocase.com / soulcore
www.bbc.com
Zentrale
BBC-Website
www.bbcmotiongallery.com
Filmmaterial
mit BBC-Dokumentationen aus über 70 Jahren
www.youtube.com/bbclearningenglish
BBC-Kanal
"Learning English" bei YouTube
www.bbc.co.uk/glastonbury
Das
Musikfestival mit Website im Stile von MTV
http://wn.com
World
News Network – Onlinemagazin mit News der wichtigsten
internationalen Medien
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