Experimentieren als Lebensstil - Studie über die jungen Super-Opportunisten | GDI - Gottlieb Duttweiler Institute

Das GDI hat eine Studie über die "Twenty-Somethings" veröffentlicht, die sich dem Erwachsenwerden zu entziehen scheinen, gleichzeitig aber eine hohe Anpassungsfähigkeit zeigen.

Die Studie präsentiert eine Generation junger Menschen, bei der das Erwachsenwerden so spät stattfindet wie bei keiner zuvor: Immer mehr Junge durchlaufen eine längere Ausbildungszeit, absolvieren mehrere Praktika, bleiben länger zuhause wohnen und sind finanziell unselbständig. So zögern sie die Entscheide für einen «festen» Beruf und eine «feste» Partnerschaft oft bis in die 30-er Jahre heraus – ein Charakteristikum einer neuen Lebensphase, der so genannten Emerging Adulthood.

Die heutigen Twenty-Somethings sind erfolgsorientiert, aber gleichzeitig von grossen Unsicherheiten geprägt. Sie nehmen ihr Leben als Achterbahnfahrt wahr, mit Experimenten, Zweifeln, Scheitern, Orientierungslosigkeit und Neustarts. Kritiker werfen ihnen vor unselbständig, verantwortungsscheu und narzisstisch zu sein – doch sind sie einiges flexibler und anpassungsfähiger als vorgängige Generationen.

via gdi.ch

Hier geht's direkt zum Summary der Studie.

Europa - die "alte Welt" oder die Welt der Alten? - Michael Wimmer über den "political divide" der Generationen

Mit dem Verlust des Politischen im Leben junger Menschen geht ein verhängnisvoller Verlust des Visionären einher: Nach den AutorInnen der Shell-Studie seien junge Menschen nicht mehr willens (oder in der Lage), gesellschaftliche Zukunftsszenarien zu entwerfen oder gar darauf hinzuarbeiten. Damit antizipieren die Jungen eine bereits früh von den Alten übernommene defensive gesellschaftliche Grundhaltung, in der Hoffnung, „dass alles so bleibt, wie es ist, und tunlichst keine Veränderungen stattfinden“ (Aussage eines 17-jährigen Lehrlings).

Diese umfassende Selbstbeschränkung jugendlicher Ambitionen auf Grund aussichtslos erscheinender, von den Alten errichteter Rahmenbedingungen wird durch die digitalen Medien – entgegen manchen Hoffnungen – nicht außer Kraft gesetzt. Es gibt nur wenig Indizien auf eine Online-Politisierung: „Aus der Sicht der jungen Social-Community-UserInnen sind Facebook und Co. weitgehend politik(freie) Zonen geblieben.“ Darüber hinaus würden ohnehin bloß anbiedernde PolitikerInnen auf Facebook weitgehend an der Zielgruppe „junge Menschen“ vorbei kommunizieren.

Aus diesen Befunden könnte man herauslesen, dass sich im Unterschied zu den aktuellen politischen Veränderungsprozessen in einer Reihe arabischer Länder, die von der jungen Generation getragen werden, weite Teile der europäischen Jugend zumindest vorerst mit ihrer schleichenden Ausgrenzung abgefunden haben. Mehr noch. Mit der erwartbaren Fortsetzung der aktuellen Krisenerscheinungen ist zu befürchten, dass sich der intergenerative „political divide“ zwischen den Generationen noch einmal weiter vertiefen wird, um auf diese Weise ein wachsendes vordergründig unpolitisches Stimmreservoir einer jugendlichen Verlierergeneration für politische Heilsbringer zu vergrößern.

via http://www.educult.at/index.php/Wimmer-s-monthly/806/0/