Die Piraten und die Paradoxie der Transparenz

Die Piraten haben es allerdings dabei mit einer Paradoxie zu tun: Die Transparenz, die sie fordern und wollen, führt dazu, dass ein interner Klärungsprozess gar nicht in Ruhe stattfinden kann, weil alles gleich öffentlich stattfindet.

Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn auf Tagesschau.de über die Piraten-Partei und die Chancen und Risiken der Internet-Demokratie. 

 

 

Transparenz vs. Diskretion - Stuttgarter Zeitung online

In permanenter Öffentlichkeit wird Politik nicht besser, sie wird unmöglich. Eine Gesellschaft, der man beim Denken zusehen kann, denkt nicht. Sie posiert. Aus Verhandlungen werden Debatten. Wer als Akteur ständig von Freund und Feind beobachtet wird, kann sich in seinen Positionen nicht bewegen. Politik im demokratischen Staat muss aber versuchen, unterschiedliche Interessen auszugleichen, indem jeder ein Stück von seinem Standpunkt abrückt. Natürlich brauchen politische und gesellschaftliche Prozesse Transparenz, jedoch nur am Anfang und am Ende. Dazwischen gibt es eine Phase, die nach Diskretion, nach einem Hinterzimmer verlangt.

Die Stuttgarter Zeitung nimmt die Gespräche "hinter verschlossenen Türen" vor Geisslers Schlichtungsspruch zum Anlass, grundsätzlich über Transparenz und Diskretion in Zeiten des Internets nachzudenken.

Protest zwischen Spaß und Stunk - Dirk Baecker über Stuttgart 21 und das Netz | SÜDKURIER Online

Das heißt, es gibt heute einen Kult um den Protest?

Ja, einen Spaß an der Form des Protests an sich. Bei Stuttgart 21 ist der Spaßfaktor allerdings gering, der Faktor des aus der Sicht der Gegner begründeten Protests dagegen sehr groß.

Politiker allerdings geben Zeitungen wie gewohnt Interviews, während Protestgruppen twittern, bloggen und facebooken. Hat im Kampf um die Deutungshoheit der die Nase vorn, der auf Multimedia setzt?

Nein. Wenn es um Aktualität geht, liegt er zwar vorn. Wenn es aber um die Information geht, um den Anlass eines Protests oder die Frage, wie lange man durchhalten und wen man zusätzlich noch ansprechen kann, dann wird man weiter auf Tageszeitungen, auf Rundfunksendungen und auf das Fernsehen zurückgreifen.

Wie sich die Gesellschaft durch das Netz verändert, zeigt Dirk Baecker am Beispiel Stuttgart 21. Wird die Politik, die es gewohnt war, auf die Beharrungskräfte zu setzen, umlernen? Wird sie noch genauer studieren, wie Barack Obama seinen Wahlkampf geführt hat? Wird sie lernen, das Internet vor sich her zu treiben?