Kluft zwischen möglichen Netzeffekten und den emotionalen Fähigkeiten des Einzelnen - GDI Studie über Transparenz

«It’s difficult to think of any information in the modern world which doesn’t acquire more meaning, power, richness, context, substance and impact by being intelligently linked to other information.» so Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian. 

Das GDI sieht in einer neuen Studie über die Chancen der Transparenz "eine wachsende Kluft zwischen dem möglichen Mehrwert eines Netzwerks und der mentalen und emotionalen Fähigkeit eines Einzelnen, diese Netzeffekte zu erschliessen." Die Menschen brauchen "Systeme (künstliche Intelligenzen), die die schnell anschwellende Datenflut sinnvoll verarbeiten und analysieren können. Und wir sind auf neue Dienstleistungen angewiesen, die das kollektive Wissen für uns Nutzer erschliessen."

Hier liegen Herausforderungen und Chancen für die klassischen Medien, z.B. durch Visualisierung von sozialen Daten für ein besseres Verständnis der komplexen Wechselwirkungen und Zusammenhänge zu sorgen. 

via http://www.gdi.ch/de/Think-Tank/Studien/Product-Detail/7  


  

Hyperlinks untergraben Hierarchien - Cluetrain Manifest auf dem Prüfstand - brand eins 02/2012

Das Cluetrain Manifest ist in die Jahre gekommen. Was ist aus heutiger Sicht dran an den Thesen von damals? Brandeins hat mit zwei Autoren, David Weinberger und Doc Searls, gesprochen. Wie schätzen sie z.B. die Zukunft hierarchischer Organisationen ein?

"Hyperlinks untergraben Hierarchien"

David Weinberger: Keine schlechte Hypothese. Natürlich geht die Debatte weiter, ob Technik an sich ausreicht, um menschliches Verhalten und menschliche Institutionen zu verändern. Ich glaube, wir haben noch gar nicht begriffen, welche subversiven Auswirkungen Hyperlinks auf traditionelle Hierarchien unserer westlichen Kultur haben.

Im Netz ist keine neue Art der Hierarchie entstanden, stattdessen existieren viele Topologien nebeneinander. Wir wissen heute dank Experten wie Clay Shirky oder Albert-László Barabási, dass Netzwerke in der Regel ein paar besonders gut verbundene Knotenpunkte besitzen. Sie haben also keine Hierarchien, sondern eine Struktur, in der einige Menschen mehr Einfluss haben als andere. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn so können auch kleine Details aus dem Untergrund zum Vorschein kommen, ohne dass sie jemand unter den Teppich kehren kann.

Doc Searls: Wenn ich eine These aus den ersten zehn auswählen sollte, dann diese. Sie ist der Grund, weshalb Hierarchen Hyperlinks ausradieren wollen - und alles, was an diesen Verbindungen zur Außenwelt hängt. Sie haben sogar mäßigen Erfolg gehabt. Ich habe zwei längere Beiträge zu diesem Thema auf meinem Blog veröffentlicht: "Be Careful About What You Call Dead" (http://hvrd.me/rwF1Gx) und "Broadband vs. Internet" (http://hvrd.me/sGlJwh)

Hierarchien wird es immer geben, selbst wenn sie vielerorts untergraben werden. Aber die Veränderungen in hierarchischen Organisationen und Unternehmen, von denen vor allem David Weinberger in seinen letzten drei Büchern spricht, sind unwiderlegbar und gehen ungebremst weiter.

 

Die Giganten gestalten das Internet ohne die Nutzer - Jan van Dijk auf der x-mess

Es wird immer deutlicher, wie sich das Netz in eine Schieflage hinein entwickelt, wenn die Gegenbewegung ausbleibt. Der niederländische Soziologe Jan van Dijk, Universität Twente, hat die Entwicklung im November 2011 auf der x-mess in Berlin in aufrüttelnden Thesen auf den Punkt gebracht: 

Das Internet wird nicht von den Nutzern gestaltet, sondern von den mächtigen Intermediären wie Facebook, Google, Microsoft und Apple. Doch wer kontrolliert diese Giganten? 

Das Internet führt nicht zu mehr Demokratie und Gerechtigkeit. Vielmehr verstärkt die global vernetzte Gesellschaft die Ungleichheit auf allen Ebenen – zwischen Staaten ebenso wie zwischen Organisationen und Individuen. Immer weniger Firmen/Menschen werden immer größer/mächtiger (die »Knoten« im Netzwerk), während gleichzeitig immer mehr Firmen/Menschen immer unbe- deutender werden (der »Long Tail«). Die Mitte verschwindet – und damit der Kitt zwischen den beiden Polen.

Mehr dazu im Konferenzbericht der zfo

Soziale Netze als stabilisierender Faktor? - Dirk Baecker

Nach Baeckers These stellt sich das Netzwerk der nächsten Gesellschaft bereits heute sehr heterogen dar und kann deshalb gut auf die Herausforderung der Computerisierung reagieren. So lassen sich etwa individuelle Ruhe- und Unruhezustände, bedingt durch den rasanten gesellschaftlichen Wandel mit seinem Computereinsatz, über die Einbettung in interaktive Netzwerke stabilisieren. Baecker begreift es als individuelles Defizit, wenn sich der moderne Mensch die Möglichkeiten von Social Media Tools wie Facebook, Twitter, Google+ etc. nicht zunutze macht. “Wer darüber heute lacht, dem wird das Lachen in fünf bis sechs Jahren vergangen sein”, prognostiziert der Kulturtheoretiker.

Unterschied zwischen der Informationsflut im Netz und in der Bibliothek - Herr Larbig

Die Kritiker dieser Form des vernetzten und vernetzenden Denkens richten sich oft gegen die scheinbare Überfülle an Informationen im Netz. Das Irritierende daran ist, dass diese Kritik genau so auch auf bedeutende Bibliotheken mit Buchbeständen von mehreren Millionen Exemplaren angewandt werden könnte; außerdem findet die gleiche Überlastung an Informationen dort statt, wo Bücher mit zahlreichen Verweisen auf andere Bücher rezipiert werden, bei denen zwar keine Links aber analog zu diesen Literaturverzeichnisse und Fußnoten eingesetzt werden. Mit dieser Informationsüberfülle umzugehen muss genau so gelernt werden wie mit der in digitalen Netzwerken. Der Unterschied ist nur, dass sich dieser Umgang mit der Informationsfülle analoger Medien, die in Wahrheit immer intertextuelle Strukturen bieten und somit auch vernetzte Strukturen in analoger Form aufweisen, als Kompetenz über einen wesentlich längeren Zeitraum entwickeln konnte, als dies bislang beim Umgang mit digital vernetzten Hypertextstrukturen der Fall ist.

In einem Blog-Post zum Konflikt zwischen linearem und vernetztem Denken räumt Herr Larbig mit dem Missverständnis auf, vernetztes Denken sei in der digitalen Welt und lineares Denken in der analogen Welt zuhause.

Nicht mehr ganz frisch, aber immer noch lesenswert.

World Cup to drive record in Social Media traffic

Soccer fans have never been shy about expressing their opinions, but this year's World Cup in South Africa - which will be the first of the "social media age" according to many - may see record levels of global interactivity. Sites such as Facebook, Twitter and YouTube were in their infancy in 2006, when the last World Cup took place in Germany, but have since exploded in popularity. Social media now connects millions around the world - 50 million tweets are sent daily while Facebook boasts more than 400 million active users - a development that will allow fans separated by distance to celebrate goals or critique referee decisions together online. Social media can bring fans closer together and give fans more opportunity to communicate with each other.

Die sozialen Netzwerke vor neuen Rekorden dankt der Fußball-WM. Bei Twitter & Co. kann sich die Euphorie und die Enttäuschung nach Lust und Laune entladen.