Das Freeconomy-Manifest

GDI-Impuls widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe der Gratis-Mentalität im Netz. Darin findet sich ein Manifest mit 19 bemerkenswerten Thesen. Hier eine Auswahl: 

05. Qualität bleibt die wichtigste Qualität. Wir legen grossen Wert auf die Qualität unserer Arbeit.

06. Das «Frei» in Freibier ist nicht das Gleiche wie das «Frei» in Freiheit.

07. Du sollst nicht stehlen.

08. Ihr wollt, dass wir euch Geld geben? Dann gebt uns eure Aufmerksamkeit.

09. Alle festen, ein gerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verknöchern können.

10. Tradition ist kein Geschäftsmodell.Und Geschäfte, die im Wesentlichen auf dem Unwissen der Kunden beruhen, sind keine mehr.

Das Manifest in voller Länge gibt es hier.  

 

Fritz B. Simon in seiner Systemischen Kehrwoche über die scheinbar grenzenlose Gier der Banker - http://www.carl-auer.de/blog/simon/gier/

Montag, 28. Dezember, 2009

Bislang war ich ja nicht der Meinung, dass Gier das primäre Problem unseres Wirtschaftssystems ist, sondern die (fehlenden) Regulierungen, die es gierigen Menschen nicht nur ermöglichen, ihre Gier zu leben, sondern sie sogar noch dazu ermutigen. Und eigentlich glaube ich immer noch nicht, dass man dieses Problem durch moralische Appelle lösen kann, sondern nur durch Regulierungen, die der Tatsache gerecht werden, dass das, was möglich ist, erfahrungsgemäß auch gemacht wird. Meine Empörung hat sich bislang also in Grenzen gehalten.

Jetzt aber habe ich in der New York Times gelesen, dass die großen Investmentbanken, namentlich Goldmann Sachs, JPMorgan und - last not least - die Deutsche Bank ihren Kunden durch Hypotheken lausiger Bonität gesicherte Wertpapiere verkauft haben und gleichzeitig durch Leerverkäufe darauf gewettet haben, dass diese ihren Wert verlieren. Leerverkäufe sind allerdings mehr als nur eine Wette auf den sinkenden Kurs solcher Papiere, denn sie wirken als selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn mehr Papiere zum Verkauf angeboten als nachgefragt werden, fällt der Preis. Wer Papiere, die er gar nicht hat, für einem späteren Zeitpunkt verkauft, rechnet damit, dass er sie dann, wenn er sie liefern muss, zu einem billigeren Preis kaufen kann. Und dadurch, dass er sie leer (d.h. ohne sie zu haben) verkauft, steigert er die Erfolgswahrscheinlichkeit seiner Wette.

Seinen Kunden Papiere zu verkaufen und sie gleichzeitig auf eigene Rechnung leer zu verkaufen, ist für mich sittenwidrig (bzw. die Sitten sind inzwischen offenbar so weit verroht, dass dies nicht mal mehr als merkwürdig angesehen wird).

In der New York Times wurde dieses Vorgehen folgendermaßen charakterisiert: Es ist, als ob man auf das Haus eines anderen eine Feuersicherung zu seinen eigenen Gunsten abschließt und anschließend das Haus anzündet.

Das halte ich auch für unmoralisch und es empört mich. So etwas sollte nicht erlaubt sein. Am besten wäre es, wenn den Banken der Eigenhandel oder Leerverkäufe untersagt würden. Sie sollten sich nicht als Spekulanten betätigen dürfen.

Ehrliche Makler verdienen allerdings nicht so viel wie Spieler mit gezinkten Karten.

Auch ein kühler Geist wie Fritz B. Simon kann nicht mehr anders als Empörung zu empfinden angesichts des sittenfreien Verhaltens der Banker.