Transparenz vs. Diskretion - Stuttgarter Zeitung online
In permanenter Öffentlichkeit wird Politik nicht besser, sie wird unmöglich. Eine Gesellschaft, der man beim Denken zusehen kann, denkt nicht. Sie posiert. Aus Verhandlungen werden Debatten. Wer als Akteur ständig von Freund und Feind beobachtet wird, kann sich in seinen Positionen nicht bewegen. Politik im demokratischen Staat muss aber versuchen, unterschiedliche Interessen auszugleichen, indem jeder ein Stück von seinem Standpunkt abrückt. Natürlich brauchen politische und gesellschaftliche Prozesse Transparenz, jedoch nur am Anfang und am Ende. Dazwischen gibt es eine Phase, die nach Diskretion, nach einem Hinterzimmer verlangt.
Die Stuttgarter Zeitung nimmt die Gespräche "hinter verschlossenen Türen" vor Geisslers Schlichtungsspruch zum Anlass, grundsätzlich über Transparenz und Diskretion in Zeiten des Internets nachzudenken.